Ein Poster der Mustergraphik können Sie unter diesem Link erwerben.

Theorie

Die sensorische Integration von Sinneseindrücken soll in Regelkreisen erfolgen, die durch innere und äußere Reize in Gang gesetzt werden und zu Reaktionen führen, die sich insbesondere in motorischen Handlungen zeigen (motorische Anpassungsreaktionen, „MAR“).

Dieser Vorgang sei nicht nur für die sensomotorische Entwicklung, sondern für alle Lernprozesse entscheidend. Der Integrationsprozess werde u.a. beeinflußt durch das Vorwissen (Gedächtnis) und die Interpretation des Wahrgenommenen, wobei die Rückmeldung über die Reaktion der Umwelt auf die eigene Handlung ein entscheidender Faktor für den Lernprozess sei.

Hieraus entstehe ein Regelkreis zwischen Sensorik und Motorik. Wenn diese Art der Verarbeitung der Sinneseindrücke gestört sei,würden die Handlungsplanung und das Verhalten insgesamt beeinträchtigt, so daß auch konzeptionelle und kognitive Lernvorgänge behindert würden.

Bei der Behandlung sollen durch gezielte Reizzufuhr die Verarbeitung und die Integration von Sinneseindrücken verbessert und damit die Planung und Organisation von adaptivem Verhalten gefördert werden.

Diagnose

Zur Diagnose von sensorischen Integrationsstörungen wird meistens der SCSIT, der „Southern California Sensory Integration Test“ genutzt. Der SCSIT beinhaltet folgende Subtests:

  1. Space Visualization (SV)
    = räumliche Wahrnehmung (Messung des räumlichen Vorstellungsvermögens, der Raumorientierung und der Geschwindigkeit der Wahrnehmung)

  2. Figure-Ground-Perception (FG)
    = Figur-Grund-Wahrnehmung (Messung der Figur-Grund-Unterscheidung, der Wahrnehmungsgeschwindigkeit und der Wahrnehmungsgenauigkeit)

  3. Position in Space (PS)
    = Stellung im Raum (Messung des visuellen Gedächtnisses, der Raumlage-Wahrnehmung und der Wahrnehmungsgeschwindigkeit)

  4. Design Copying (DC)
    = Muster nachzeichnen (Messung des visuellen Gedächtnisses, des Erkennens von räumlichen Beziehungen und des motorischen Planens)

  5. Motor Accuracy - Revised (MAR/MAL)
    = Motorische Genauigkeit (Messung der Auge-Hand-Koordination, rechte und linke Hand)

  6. Kinesthesia (KIN)
    = kinästhetische Wahrnehmung (Messung der Wahrnehmung von Gelenkbewegungen und -stellungen und des Gefühls für Bewegungen)

  7. Manual Form Perception (MEP)
    = Formwahrnehmung durch die Hände (Messung der taktilen Wahrnehmung, der Fähigkeit der Integration von taktiler und visueller Wahrnehmung und der Wahrnehmungsgeschwindigkeit)

  8. Finger Identification (FI)
    = Fingerunterscheidung (Messung der taktilen Wahrnehmung und des Körperschemas)

  9. Graphestesia (GRA)
    = Hautzeichnung (Messung der taktilen Wahrnehmung von Form und Raumlage)

  10. Localisation of Tactile Stimuli (LTS)
    = Tast-Lokalisierung (Messung der taktilen Wahrnehmung)

  11. Double Tactile Stimuli Perception (DTS)
    = Gleichzeitige Tasterkennung (Messung der Wahrnehmung)

  12. Imitation of Postures (IP)
    = Posennachahmung (Messung Bewegungsplanung und -koordination in ungewohnten oder schwierigen Situationen)

  13. Crossing Mid-Line of Body (CMB)
    = Überqueren der Körpermittellinie (Messung der Fähigkeit, mit den Händen die Körpermittellinie zu überqueren)

  14. Bilateral Motor Coordination (BMC)
    = bilaterale motorische Koordination (Messung der Koordination beider Körperhälften)

  15. Right-Left-Discrimination (RLD)
    = Rechts-Links-Unterscheidung (Messung des Körperschemas)

  16. Standing Balance - Eyes Open (SBO)
    = Einbeinstand mit offenen Augen (Messung der Wahrnehmung vestibulärer Reize und der motorischen Reaktion darauf mit Halte- und Stellreflexen)

  17. Standing Balance - Eyes Closed (SBC)
    = Einbeinstand mit geschlossenen Augen (Messung der Wahrnehmung vestibulärer Reize und der motorischen Reaktion darauf mit Halte- und Stellreflexen)

Links

Unter Sonderpädagogen Online gibt es eine Abhandlung zum Thema SI und Autismus.

Eine Stellungnahme der Gesellschaft für Neuropädiatrie e.V. zum  Thema
SENSORISCHE INTEGRATIONSTHERAPIE NACH JEAN AYRES
gibt es unter folgendem Link.