Früherkennung

Obwohl Autismus schon seit den zwanziger Jahren bekannt ist, wird die Störung leider häufig viel zu spät diagnostiziert. Entwicklungsverzögerungen von Kindern werden klassischerweise im Rahmen der Früherkennung festgestellt. Das heißt also in den 10 Vorsorgeuntersuchungen, die der Kinderarzt durchführt oder auch bei der 4 1/2 - jährigen Untersuchung in der Grundschule. Unsere Kinder rutschen häufig bei diesen Untersuchungen durch alle Raster, insbesondere wenn sie über eine gute Sprachfähigkeit verfügen. Vielfach ist das Wissen über die Syptome bei allen Beteiligten nicht ausreichend vorhanden, dabei ist gerade die frühe Erkennung und frühe Intervention wichtig für das Kind.

Es gibt daher eine Reihe von Tests und Checklisten, die wesentliche Diagnosekriterien für das frühe Kindesalter definieren.

Der Bundesverband  "Hilfe für das autistische Kind"  hat in seiner Broschüre "Diagnose?- Autismus! -Was tun?:  Früherkennung und Frühförderung" das Thema sehr gut aufgearbeitet. Unter folgendem Link gibt es eine Zusammenfassung mit Checkliste: http://behinderung.org/autismus.htm

Für die Vorsorgeuntersuchungen des Kinderarztes findet sich auf der Seite der Selbsthilfeinitiative "Autismus Darmstadt" eine gute Checkliste, gegliedert nach U1-5, U6, U7, U8 und U9.

Einer weiterer Test ist der sog. "M-Chat" (Modified Checklist for Autism in Toddlers). In der folgenden Liste haben wir - am Test orientiert - versucht diese Kriterien zusammenzufassen. Genaueres auf den Seiten der Uni-Klinik Frankfurt.

Wichtig / Hohe Signifikanz gem. M-Chat:

  • In Alter von 18 bis 24 Monaten zeigen die Kinder nicht auf einen Gegenstand, um die Eltern auf ihn aufmerksam zu machen. (Folgen auch nicht ihrem Blick. Später zeigen durch Hinführen, wenn sie etwas wollen.)
  • Kein Interesse an anderen Kindern. Kein Spielen mit anderen Kindern.
  • Machen das Verhalten anderer nicht nach (z.B. Grimassen, Imitation). Probleme die Emotionen zu verstehen oder zu zeigen. Fehlende Empathie
  • Bringt keine Gegenstände, um sie den Eltern zu zeigen
  • Reagiert nicht auf Namen, wenn es gerufen wird

Weitere Hinweise (treffen nicht für alle Kinder zu):

  • Vermeiden Blickkontakt
  • Können Körperkontakt vermeiden
  • Als Babys, verhalten sie sich extrem ruhig, melden sich wenig oder schreien/weinen lange und lassen sich nicht beruhigen.
  • Zunächst haben sie Schwierigkeiten Geste, Lächeln oder Wörter zu verstehen.
  • Wirken wie Taub oder zeigen Gleichgültigkeit
  • Keine Reaktion, extrem Angst oder Faszination nach bestimmten Geräuschen (z.B. Staubsauger, Rassenmäher, Föhn, Bohrmaschine)   
  • Bizarre Bewegungen (drehen sich, verdrehen Augen, Finger, Hände, Hals, wedeln mit Armen, Händen, etc.)
  • Lachen und Kichern ohne ersichtlichen Grund
  • Keine Reaktion nach Schmerzen oder extrem Empfindlichkeit.
  • Keine Angst vor normalen Gefahren.
  • Die Sprache kann im 2. Lebensjahre verschwinden oder sprechen nicht.
  • Auffällige Sprache / Echolalie (sie wiederholen Wörter oder Sätze wie ein Papagei)
  • Keine oder wenig kommunikative Sprache. Zeigen Schwierigkeiten in der Interaktion.
  • Faszination nach Objekten, die drehen (Ventilator, Windmühle, Räder, etc.)
  • Sehen lange auf bestimmte Muster (z.B. Tapeten, Blech, Lichtreflex, etc.)
  • Fixierung auf spezielle Themen (Rohren, Klimaanlagen, bestimmten Videos, etc.)
  • Kein kreatives Spiel. Oft spielen nur mit Teilen des Spielzeuges. Tun nicht „so als ob“, also die Puppe füttern, z.B.
  • Ordnen die Objekten in Reihen (z.B, die Autos)
  • Kratzen, schaben oder lecken an Oberflächen. Tasten oder klopfen anhaltend an Gegenständen.
  • Verweigerung von Veränderung (z.B, wollen immer den gleichen Weg nehmen oder bestimmte Kleidung tragen)
  • Haben häufig vom Säuglingsalter an Probleme beim Essen und beim Schlafen.
  • Entwickeln selbststimulierende Verhaltesweisen, die bis zur Selbstverletzung reichen können. Wutanfälle kommen oft.
  • Außergewöhnliche Begabungen in Teilbereichen (z.B. im Rechnen, in technischen Disziplinen oder in der Musik).