EU-Projekt STAMPPP

Pressemitteilung der Fachhochschule Münster

STAMPPP: Fachbereich Sozialwesen deutscher Partner im Programm der Europäischen Union

 

Münster (11. November 2008). Mangelnder Blickkontakt, stereotyp wirkendes Festhalten an bestimmten Gewohnheiten, Angst vor jeglicher Veränderung und Störungen der Sprachentwicklung – dies sind für Eltern Hinweise auf Autismus. Solch tief greifenden Entwicklungsstörungen gehen einher mit schwerwiegenden Problemen in Kommunikation, Sozialverhalten und Lernen schon ab dem frühen Kindesalter. 

„Die Erkrankung wird oft erst spät oder gar nicht erkannt“, sagt Prof. Dr. Hanns Rüdiger Röttgers vom Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Münster. Noch häufiger werde Autismus gar nicht oder mit unwirksamen Methoden behandelt, ergänzt der Psychiater und Psychotherapeut. Ohne Förderung sei ein großer Teil der autistischen Menschen dauerhaft auf Hilfe angewiesen. Gemeinsam mit seinem Fachbereichskollegen Prof. Dr. Bernhard Brugger, er ist Klinischer Psychologe und Psychotherapeut, repräsentiert Röttgers die FH Münster als deutschen Projektpartner in einem von der Europäischen Union geförderten Programm. Sie passen ein von der University of Ulster und einer nordirischen Elterninitiative entwickeltes Multimedia-Informationsprogramm an die deutschen Besonderheiten an. Der Name STAMPPP steht übersetzt für „Wissenschaft und Behandlung des Autismus – ein multimediales Programm für Eltern und Professionelle“. Ziel des Projekts ist es, neben den Eltern auch Kinderärzte, Beratungs- und Frühförderstellen sowie weitere Einrichtungen des Gesundheitswesens für die Früherkennung autistischer Störungen zu sensibilisieren. Zeitgleich wird STAMPPP von Partnern in Norwegen und Spanien innerhalb von zwei Jahren lokal umgesetzt. Ein Auftakttreffen fand jetzt in Nordirland statt. Im Projekt geht es um wissenschaftlich fundierte Informationen. Eltern und Angehörige sollen Kompetenzen erwerben, um Therapie- und Alltagssituationen meistern zu können. Dies scheint wichtig. Denn auf dem Markt, betont Brugger, gebe es „eine Fülle unseriöser Anbieter, die mit allerlei Heilsversprechen die oft verzweifelten Eltern ködern und finanziell ausbeuten“. Dagegen stehen, ergänzt Röttgers, „nur wenige Therapieverfahren, die tatsächliche Verbesserungen bewirken können“. Diese Methoden zeichnen sich durch den frühzeitigen Beginn aus. Sie sind individualisiert und gleichen die Lerndefizite autistischer Kinder durch eine angemessene Umgebungsgestaltung und intensive 1:1-Betreuung aus. Sprachentwicklung, soziale Interaktion, Selbstständigkeit, Schulfähigkeit und sogar die messbare Intelligenz würden so erheblich gefördert. In Deutschland und anderen Ländern, so die beiden Experten weiter, stelle diese Art der Förderung noch die Ausnahme dar. Im angloamerikanischen Bereich verfüge man dagegen bereits über große Erfahrung und verzeichne Erfolge. Brugger und Röttgers sind optimistisch, dass mit dem EU-Projekt STAMPPP „Licht in das Durcheinander unwirksamer und unseriöser Therapieangebote in Deutschland gebracht wird“ und den betroffenen Kindern auf wissenschaftlicher Basis besser geholfen werden kann.

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