Erfahrungsbericht Christian

Einleitende Bemerkungen

In der Diskussion mit unserer damaligen Kindergärtnerin reifte die Erkenntnis, dass Christian möglicherweise Autist ist. Die Diagnose im Hamburger Autismus-Institut brachte dann die Gewißheit „Autistische Störung“ bzw. „Asperger Syndrom“.

Nach der Diagnose haben wir uns intensiv um die Förderung unseres Sohnes bemüht. Zu Beginn besuchte er einmal wöchentlich die Ergo-Therapie in der Praxis  Kattjahren und erhielt einmal wöchentlich Therapie im Hamburger Autismus-Institut. Seit dem Sommer 2006 besuchte er einen integrativen Kindergarten.

Diese Ansätze führten jedoch nur zu geringen Verbesserungen und so haben wir uns weiter nach Therapiemöglichkeiten umgeschaut. Eine Tagung des Bundesverbandes „Autismus Deutschland e.V.“ führte uns schließlich zum „Bremer Elterntraining“ des Institutes für Autismusforschung (IfA, Fr. Dr. Cordes) in Bremen.

Gemeinsam mit zwei anderen betroffenen Familien führen wir das Programm seit Mai 2007 durch. Unser Ziel ist es Christians  Defizite durch das Training auszugleichen und seine Fähigkeiten dahingehend zu fördern, dass Ihm der Besuch einer Regelschule möglich ist.

Für das Programm gewannen wir 3 Co-Therapeuten, außerdem unterstützten uns  zwei Heilerzieherinnen des Kindergartens. Das Programm bedeutete für uns und Christian einen hohen zeitlichen Aufwand (Vor- und Nachbereiten, Therapiestunden, Teamsitzungen, Telefonate mit IfA usw.). Christian erhielt im ersten halben Jahr bis zu 30 Therapiestunden in der Woche. Anschließend, also nach Beendigung der regulären Programmlaufzeit (bis Anfang November 2007) haben wir die Therapie mit geringerer Intensität (ca. 20 Stunden die Woche) fortgesetzt.

Die Therapie ist aus unserer Sicht sehr erfolgreich verlaufen. Christian hat viele Fortschritte gemacht. Diese sind in der Feinmotorik, dem sprachlichen Ausdruck, dem Sozialverhalten und vielen lebenspraktischen Dingen (Verhalten in Straßenverkehr, Anziehen, Essen, Regeln befolgen) spürbar.

Unser größter Stolz ist aber, daß Christian erfolgreich eingeschult wurde. Er besucht heute als Integrationskind eine Grundschule in Volksdorf. Durch das jetzt einjährige intensive Training hat Christian viele Fähigkeiten erworben, die ihm einen Schuleinstieg erleichtert haben. Auch wir haben etwas gelernt: Wir wissen heute besser als früher wie wir mit Christian umgehen müssen und auf welche Weise er neue Fähigkeiten erlernen kann.

 

Übersicht Lerninhalte des Bremer Elterntrainings


Um eine Vorstellung über das zu geben, was im Rahmen der „BET“ gemacht wurde haben wir eine kurze Übersicht der Lernprogramm erstellt, welche im ersten halben Jahr durchgenommen wurden. D.H. dies bildet den Stand ca. Nov. 2007 ab.


  1. Lernprogramm: Befolgen von Aufforderungen
    Christian lernt Aufforderungen, die in Arbeits- und Lernsituationen vorkommen befolgen. Beispiele: „Setz dich hin“,  „Schau mich an“, „Leg richtig“, „Komm her“ usw....

    Das Lernprogramm ist abgeschlossen. Derzeit findet die Übertragung in den Alltag statt („Gereralisierung“). Christian ist in der Lernsituation sowie im Alltag deutlich aufmerksamer und lenkbarer geworden.

  2. Lernprogramm: Blockimitation und erstes Spielverhalten
    Christian soll lernen komplexere Handlungsmuster mit dem Körper und Spielmaterialien zu imitieren.

    Christian hat gelernt genau hinzuschauen und Handlungen zu imitieren. Auch beherrscht er jetzt das Bauen mit verschiedenen Materialien nach Vorlagen und nach verbaler Anleitung. Durch das Einüben imitierenden Verhaltens ist Christian auch im Kindergarten besser integriert, nimmt an Grupenaktivtäten intensiver teil. Das Programm ist abgeschlossen.

  3. Lernprogramm: Interaktives Musizieren
    Christian soll wechselseitig mit dem Therapeuten auf den Xylophon spielen. Christian soll vorspielen und abwarten, den Partner imitieren und gemeinsam spielen lernen.
    Das Programm ist abgeschlossen. Christian hat gelernt die vom Therapeuten vorgegebenen Tonfolgen zu spielen. Christian spielt mit Engagement und viel Freude kurze Kinderlieder.

  4. Lernprogramm: Zuordnen / Kategorien
    Christian soll Gegenstände verschiedener Kategorien benennen und Bilder Kategorien zuordnen bzw. sortieren. Kategorien sind wesentlich für Sprachverständnis.
    Das Programm ist abgeschlossen. Christian hat eine große Zahl von Kategorien in kurzer Zeit erlernt (Tiere, Familie, Blumen, Lebensmittel, Besteck, Berufe usw.)

  5. Lernprogramm: Anziehen
    Christian soll sich Schuhe, die Socken, die Hose, den Pulli, die Jacke usw. anziehen.
    Das Programm ist abgeschlossen. Christian, der sich zu Beginn des Programms lediglich ausziehen konnte, kann sich nun (wenn auch noch sehr langsam) selbständig anziehen, was eine große Erleichterung für die ganze Familie bedeutet.

  6. Programm: Feinmotorik
    Christian soll verschiedene feinmotorische Bewegungen nachahmen. Dies ist Voraussetzung für das Zeichnen und Schreiben.
    Das Programm ist abgeschlossen. Christian konnte bei Programmbeginn nur einfarbig kritzeln, wobei er den Stift in der Faust hielt. Er zeichnet inzwischen mit großem Eifer und mit korrekter Stifthaltung. Zudem schreibt er Buchstaben und einfache Worte („Christian, Mama, Papa“)

  7. Programm: Aufbau von Spielverhalten
    Christian soll lernen allein und mit anderen seinen Alter entsprechende Spiele durchzuführen. Z.B. Turm bauen, Puzzle, Eisenbahn, Fangen, Fußball, später Rollenspiele
    Die einfachen Spielmuster hat sich Christian inzwischen angeeignet und spielt gelegentlich auch außerhalb der Therapiesituation. Er hat gelernt einfache Regel- und Gesellschaftsspiele zu spielen. Probleme bestehen bei Phantasiespiel oder im Zusammenspiel mit andern Kindern.

  8. Programm: Kommunikation, Handlungssequenzen Erlebnisse erzählen
    Christian soll Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge alltäglicher Handlungsabläufe erkennen und verbalisieren. Christian soll die Elemente einer Handlungssequenz ordnen, ihnen einen Satz zuordnen und eine kleine Geschichte erzählen können. Christian soll Alltagserlebnisse auf Nachfragen erzählen können.
    Das Programm dauert an. Christian zeigt inzwischen erste Ansätze kurze Erlebnisse wiederzugeben.

  9. Programm: Zahlen und Mengen
    C. soll die Zahlen 1-6 erkennen und benennen (später 7-12)
    C. soll von 1-6 zählen (später 7-12)
    C. soll die Mengen 1-6 Objekte erfassen, zählen, bezeichnen.
    C. soll Mengen versch. Objekte/Symbole den richtigen Zahlen zuordnen.
    Christian beherrscht zwischenzeitlich die Zahlen 1-6 und deren Zuordnung problemlos und macht auch bei den größeren Zahlen sehr gute Fortschritte.

  10. Programm: Buchstaben erkennen, Vorprogramm zum lesen
    Christian soll alle Buchstaben des Alphabets benennen, große und kleine Buchstaben einander zuordnen lernen, Diphthonge (au/ei/eu) benennen.
    Christian beherrscht zwischenzeitlich alle Groß- und Kleinbuchstaben. Das Programm ist abgeschlossen.

  11. Programm: Sprachaufbau / Erstes Lesen
    Christian soll Buchstaben nach Vorlage zu Wörtern stecken, Buchstaben vorlesen, einfache Worte lesen.
    Das Programm hat gerade begonnen, Christian ließt erste einfache Worte.

  12. Programm: Sprachverständnis – Adjektive
    Christian soll Adjektive verstehen und richtig anwenden
    Das Programm hat gerade begonnen (lang/kurz, dick/dünn usw.)

  13. Programm: Kommunikatives Blickverhalten
    Christian soll seinen Blick nach der Zeigegeste ausrichten, auf entfernten Dinge zeigen und seine Reaktion nach der Mimik einer anderen Person ausrichten können.
    Das Programm hat gerade begonnen.